„Der ganze Kiez ein Kiosk“: Große Protestaktion der St.-Pauli-Gastronomen

März 28, 2018 - Redaktion

Unter dem Motto „Der ganze Kiez ein Kiosk“ übten zahlreiche Gastronomen auf St. Pauli am letzten Freitag gemeinschaftlichen Protest: Etliche Bars und Clubs verkauften von 18 bis 19 Uhr, am Spielbudenplatz sogar bis 23 Uhr Alkohol nur über die Fenster. Ihre Läden und auch die Toiletten hielten sie dagegen geschlossen.
Initiatoren waren Corny Littmann und das BID Reeperbahn. Es beteiligten sich u. a. die hausbar im Schmidt Theater, das Glanz & Gloria, die Alte Liebe, der Sommersalon, das kukuun, der Sommersalon im Exil, die Wunderbar, die Olivia Jones Bar, die Bierstube der Dollhouse Gruppe, die Mash Up Music Bar, das Halo, die Große Freiheit Nr. 7, die barbarabar und die Wilde Hilde.
Hintergrund der Aktion: Mittlerweile gibt es fast 60 Kioske auf St. Pauli, die Billigalkohol verkaufen – die Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht. Ein Kiosk unterliegt nicht denselben Auflagen wie die gastronomischen Betriebe, die Toiletten vorhalten, Brandschutz und Schallschutzmaßnahmen nachweisen müssen sowie diverse Abgaben zu tragen haben. Die Folgen der Kiosk-Flut sind eklatant: Sie gefährdet die kulturelle Vielfalt des Stadtteils und bedroht die Existenz der Clubs, Bars und Kneipen, die von ihren gastronomischen Umsätzen abhängig sind – vielfach auch, um kulturelles Programm bieten zu können. Dazu ist St. Pauli als lebenswerter Stadtteil gefährdet: Lärm und Verschmutzung auf St. Pauli nehmen immer mehr zu, weil die Menschen (oft stark alkoholisiert) draußen vor den Kiosken trinken und feiern – teilweise als Massenansammlungen von mehreren hundert Personen bis in die frühen Morgenstunden.
Ziel der Aktion ist, die Kiezbesucher und die Politik für die Problematik zu sensibilisieren. Corny Littmann: „Der Kiez braucht Kultur und ist nicht nur Feiermeile, sondern auch Lebensraum. Erst wenn der letzte Club geschlossen, die letzte Kneipe zu und die letzte Bühne dicht ist, werdet ihr merken, dass man Kunst, Kultur und Entertainment nicht am Kiosk kaufen kann!“
Und Olivia Jones, Gastronomin aber auch Anwohnerin, ergänzt: „Als Anwohnerin kaufe auch ich immer mal wieder was am Kiosk. Aber inzwischen kommt ein Kiosk auf 350 St. Paulianer. In vielen Straßen gibt es schon mehrere. Die meisten sind nur noch als Kioske getarnte Kneipen, die die Gastronomie-Auflagen umgehen, um Alkohol noch billiger anbieten zu können. Das hat mit Nahversorgung nichts mehr zu tun und macht die Kiez-Kultur kaputt. Keiner kommt hier hin, weil wir hier so geile Kioske haben, sondern wegen unserer bunten Kneipen, Clubs und Theater.“
Die Gastronomen fordern den Gesetzesgeber dazu auf, für unternehmerische, behördliche und wettbewerbliche Gerechtigkeit zu sorgen. Der Ausschank von alkoholischen Getränken am Kiosk muss ab 22 Uhr untersagt werden. Zudem muss sich die Vermietungs- und Mietpreispolitik ändern.

Kategorie Lurup , Osdorf , Schenefeld

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